Kostüm
Was bedeutet Kostüm bei Film und Fernsehen?
Als Kostüm wird bei Film-, Fernseh-, Theater- und Werbeproduktionen die gezielt ausgewählte oder angefertigte Kleidung der mitwirkenden Personen bezeichnet. Kostüme unterstützen die Darstellung einer Rolle, vermitteln Informationen über Figuren und tragen wesentlich zur visuellen Wirkung einer Produktion bei.
Dabei kann es sich um auffällige historische Kleidung, fantastische Verkleidungen oder scheinbar gewöhnliche Alltagskleidung handeln. Entscheidend ist, dass die Kleidung zur dargestellten Person, zur Handlung und zur gestalterischen Konzeption der Produktion passt.
Welche Bedeutung hat das Kostüm für eine Rolle?
Kleidung vermittelt innerhalb weniger Sekunden Informationen über eine Figur. Sie kann unter anderem deren Beruf, Alter, gesellschaftlichen Hintergrund, Persönlichkeit, Lebenssituation oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten Epoche zeigen.
Ein Kostüm kann eine Rolle beispielsweise:
* seriös oder unangepasst wirken lassen
* einer bestimmten Berufsgruppe zuordnen
* zeitlich und gesellschaftlich einordnen
* wohlhabend oder mittellos erscheinen lassen
* sympathisch, bedrohlich oder exzentrisch darstellen
* einer bestimmten Marke oder Lebenswelt zuordnen
* optisch von anderen Figuren abgrenzen
Das Kostüm ist deshalb nicht lediglich Kleidung, sondern ein wichtiges erzählerisches und gestalterisches Mittel.
Was macht die Kostümabteilung?
Die Kostümabteilung entwickelt und organisiert die Kleidung sämtlicher Darstellerinnen und Darsteller einer Produktion. Ihre Arbeit beginnt häufig lange vor dem ersten Drehtag.
Zu den typischen Aufgaben gehören:
* Entwicklung eines Kostümkonzepts
* Recherche zu Figuren, Milieus und historischen Epochen
* Auswahl, Einkauf oder Anfertigung von Kleidung
* Abstimmung mit Regie, Szenenbild, Kamera und Maske
* Organisation von Anproben
* Änderung und Anpassung der Kleidungsstücke
* Vorbereitung der Kostüme für einzelne Szenen
* Dokumentation der getragenen Kleidung
* Reinigung, Reparatur und Aufbewahrung
* Betreuung der Darsteller während der Dreharbeiten
Bei umfangreichen Produktionen besteht die Kostümabteilung aus mehreren Personen. Dazu können Kostümbildner, Kostümassistenzen, Garderobieren, Schneider und Ankleider gehören.
Was macht ein Kostümbildner?
Ein Kostümbildner oder eine Kostümbildnerin entwickelt das visuelle Gesamtkonzept der Kleidung einer Produktion. Grundlage sind das Drehbuch, die Figurenbeschreibung, das Regiekonzept und die gewünschte Bildsprache.
Kostümbildner entscheiden unter anderem, welche Farben, Materialien, Schnitte und Kleidungsstile verwendet werden. Dabei müssen sie sowohl gestalterische als auch praktische Anforderungen berücksichtigen.
Das Kostüm muss nicht nur zur Rolle passen, sondern häufig auch bestimmte Bewegungen ermöglichen, über mehrere Drehtage hinweg identisch aussehen und unter unterschiedlichen Lichtbedingungen funktionieren.
Was passiert beim Kostüm-Fitting?
Vor einer Produktion findet häufig ein Fitting statt. Dabei probieren Schauspieler, Models oder andere Mitwirkende die für sie vorgesehenen Kleidungsstücke an.
Während der Anprobe wird geprüft:
* ob das Kostüm richtig sitzt
* ob Änderungen erforderlich sind
* ob ausreichend Bewegungsfreiheit besteht
* wie das Outfit vor der Kamera wirkt
* ob Schuhe und Accessoires zur Rolle passen
* ob mehrere Varianten benötigt werden
* ob das Kostüm mit Maske und Styling harmoniert
Für ein Fitting sollten aktuelle und korrekte Körpermaße vorliegen. Besonders bei kurzfristigen Besetzungen können falsche Größenangaben erhebliche Probleme bei der Vorbereitung verursachen.
Kontinuität beim Kostüm
Bei Film- und Fernsehproduktionen werden Szenen häufig nicht in der Reihenfolge der späteren Handlung gedreht. Trotzdem muss die Kleidung innerhalb einer Szene oder eines erzählerischen Zeitraums identisch aussehen.
Deshalb dokumentiert die Kostümabteilung genau, welche Kleidungsstücke und Accessoires eine Figur in welcher Szene trägt. Auch Details wie geöffnete Knöpfe, hochgekrempelte Ärmel, Flecken oder Beschädigungen müssen bei späteren Aufnahmen übereinstimmen.
Diese Anschlussgenauigkeit wird als Continuity bezeichnet.
Warum werden Kostüme mehrfach benötigt?
Für einzelne Szenen können mehrere identische Ausführungen eines Kostüms erforderlich sein. Das gilt insbesondere, wenn Kleidung während der Handlung:
* nass oder schmutzig wird
* beschädigt oder zerrissen wird
* mit Kunstblut versehen wird
* bei Stunts zum Einsatz kommt
* über einen langen Produktionszeitraum benötigt wird
Auch für ein Double kann eine zusätzliche Ausführung notwendig sein. Die Kleidung muss dann so angepasst werden, dass Hauptdarsteller und Double in der fertigen Aufnahme möglichst einheitlich erscheinen.
Unterschied zwischen Kostüm, Styling und Dresscode
Das Kostüm wird speziell für eine Rolle oder eine inszenierte Situation ausgewählt. Es folgt der Geschichte, der Figur und dem visuellen Konzept einer Produktion.
Beim Styling steht häufig die ästhetische Zusammenstellung eines Looks für Mode-, Werbe- oder Fotoproduktionen im Vordergrund. Dafür kann ein Stylist verantwortlich sein.
Ein Dresscode gibt dagegen vor, welche Art von Kleidung bei einem Casting, einer Veranstaltung oder einer Produktion erwartet wird. Dabei bringen die Mitwirkenden ihre Kleidung teilweise selbst mit.
Die Bereiche können sich überschneiden. Bei kleineren Produktionen übernimmt ein Styling-Team gelegentlich auch Aufgaben, die bei größeren Filmproduktionen der Kostümabteilung zugeordnet werden.
Kostüm bei Werbung und Fotoshootings
Auch bei Werbespots, Imagefilmen und Fotoshootings beeinflusst die Kleidung entscheidend, wie eine Person und eine Marke wahrgenommen werden. Das Outfit muss zur Zielgruppe, zum Produkt und zur gewünschten Markenwelt passen.
Je nach Produktion wird die Kleidung vollständig bereitgestellt oder von den gebuchten Models und Darstellern mitgebracht. In diesem Fall erhalten sie vorab häufig ein Briefing mit konkreten Vorgaben zu Farben, Schnitten, Schuhen und unerwünschten Markenlogos.
Bei Werbeproduktionen sollte außerdem darauf geachtet werden, dass sichtbare Markenzeichen oder geschützte Designs nicht unbeabsichtigt im Bild erscheinen.
Welche Bedeutung hat das Kostüm beim Casting?
Bereits beim Casting kann Kleidung dabei helfen, eine Rolle verständlich darzustellen. Bewerber sollten sich jedoch nur dann vollständig verkleiden, wenn dies ausdrücklich gewünscht wird.
Meist reicht eine dezente Annäherung an die Rolle. Für die Darstellung eines Handwerkers kann beispielsweise schlichte Arbeitskleidung sinnvoll sein, während für eine Businessrolle ein seriöses Outfit gewählt wird.
Die Kleidung sollte die Darstellung unterstützen, ohne vom Gesicht, der Persönlichkeit und dem schauspielerischen Können abzulenken. Maßgeblich sind immer die Angaben im Castingbriefing.
Was sollten Schauspieler und Darsteller beachten?
Schauspieler und Darsteller sollten der Kostümabteilung aktuelle Körpermaße und Konfektionsgrößen mitteilen. Dazu gehören je nach Produktion beispielsweise Körpergröße, Brust- oder Oberweite, Taille, Hüfte, Schuhgröße und Kopfumfang.
Am Drehtag empfiehlt es sich außerdem:
* pünktlich zur Kostümvorbereitung zu erscheinen
* hautfarbene oder unauffällige Unterwäsche mitzubringen
* Kostüme sorgfältig zu behandeln
* Änderungen nicht selbst vorzunehmen
* private Kleidung und Produktionskleidung getrennt aufzubewahren
* Anweisungen der Kostümabteilung zu beachten
* Veränderungen der Körpermaße frühzeitig mitzuteilen
Ein professioneller Umgang mit dem Kostüm erleichtert die Abläufe am Set und trägt dazu bei, dass die dargestellte Rolle glaubwürdig und visuell stimmig erscheint.
Das Kostüm ist ein wichtiger Bestandteil von Film, Fernsehen, Werbung und Theater. Es verbindet Gestaltung, Figurenentwicklung und praktische Produktionsarbeit und prägt maßgeblich, wie Rollen und Geschichten vom Publikum wahrgenommen werden.
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