Indigene Models
Als indigene Models werden Models bezeichnet, die einem indigenen Volk oder einer indigenen Gemeinschaft angehören. Der Begriff beschreibt keine bestimmte Hautfarbe, Nationalität oder äußere Erscheinung. Entscheidend ist vielmehr die tatsächliche kulturelle und gesellschaftliche Zugehörigkeit beziehungsweise die Selbstidentifikation der betreffenden Person.
Indigene Gemeinschaften gibt es in vielen Teilen der Welt. Dazu gehören beispielsweise die Sámi in Nordeuropa, Māori in Neuseeland, Inuit in arktischen Regionen sowie zahlreiche First Nations und weitere indigene Völker in Nord- und Südamerika, Australien, Afrika und Asien. Diese Gemeinschaften unterscheiden sich deutlich in Geschichte, Sprache, Kultur und Lebensweise.
Entsprechend bilden auch indigene Models keine einheitliche optische oder kulturelle Gruppe. Der Begriff sollte daher nicht als Bezeichnung für einen bestimmten „Look“ verwendet werden.
Was bedeutet indigen?
Das Wort „indigen“ bedeutet sinngemäß „in einem Gebiet ursprünglich beheimatet“. Eine weltweit einheitliche Definition existiert nicht. Häufig berücksichtigt werden eine besondere historische Verbindung zu einem bestimmten Gebiet, eigene kulturelle und gesellschaftliche Traditionen sowie die Selbstidentifikation als Angehörige oder Angehöriger einer indigenen Gemeinschaft.
Nicht jeder Mensch aus Afrika, Asien, Südamerika oder einer anderen außereuropäischen Region ist automatisch indigen. Auch die Begriffe „indigen“, „ethnische Herkunft“ und People of Color sind nicht gleichbedeutend und sollten nicht austauschbar verwendet werden.
Ob sich eine Person als indigen bezeichnet, lässt sich nicht allein anhand ihres Aussehens beurteilen. Äußerliche Merkmale wie Hautfarbe, Haarstruktur oder Gesichtszüge sind kein verlässlicher Nachweis einer indigenen Identität.
Warum ist indigene Repräsentation in Werbung und Medien wichtig?
Indigene Menschen waren in Mode, Werbung, Film und Fernsehen lange Zeit nur selten sichtbar. Wurden sie dargestellt, geschah dies häufig durch vereinfachende Rollenbilder, stereotype Kostüme oder nicht indigene Darstellerinnen und Darsteller.
Eine glaubwürdige Repräsentation kann dazu beitragen, diese Bilder zu verändern. Entscheidend ist, dass indigene Models nicht als vermeintlich exotische Kulisse eingesetzt oder ausschließlich auf ihre Herkunft reduziert werden.
Authentische Besetzung bedeutet, Menschen als individuelle Persönlichkeiten zu zeigen – mit unterschiedlichen Berufen, Interessen, Lebensentwürfen und Erscheinungsbildern. Indigene Models können in einer Kampagne selbstverständlich Mode, Kosmetik, Technik, Reisen oder andere Produkte präsentieren, ohne dass ihre kulturelle Herkunft zum Hauptthema gemacht werden muss.
Wie findet man indigene Models für eine Produktion?
Wenn die indigene Identität für eine Kampagne, Rolle oder redaktionelle Produktion ausdrücklich relevant ist, sollte dies im Casting transparent und respektvoll benannt werden.
Eine Ausschreibung sollte möglichst erklären:
* für welches Projekt die Besetzung erfolgt
* warum die indigene Zugehörigkeit relevant ist
* welche konkrete Region oder Gemeinschaft gemeint ist
* wie die Person dargestellt werden soll
* ob traditionelle Kleidung, Sprache oder kulturelle Elemente vorgesehen sind
* für welche Medien, Länder und Zeiträume die Aufnahmen verwendet werden
Allgemeine Formulierungen wie „indigener Look“, „exotischer Typ“ oder „native Ausstrahlung“ sind ungeeignet. Sie behandeln indigene Identität wie ein äußerliches Merkmal und lassen offen, welche Menschen tatsächlich gesucht werden.
Ist eine konkrete Gemeinschaft gemeint, sollte diese nach Möglichkeit auch konkret benannt werden. Eine austauschbare Besetzung allein aufgrund vermuteter äußerlicher Ähnlichkeit ist nicht authentisch.
Wie fragt man indigene Herkunft im Casting ab?
Angaben zur Herkunft und kulturellen Identität sind persönlich und sollten freiwillig erfolgen. Castingagenturen und Produktionen sollten deshalb keine Zugehörigkeit vermuten oder aufgrund eines Fotos selbst festlegen.
Besser ist eine offene und projektbezogene Frage, beispielsweise:
„Für dieses Projekt suchen wir Personen, die sich selbst einer indigenen Gemeinschaft zuordnen. Falls dies auf dich zutrifft und du die Information für das Casting angeben möchtest: Welcher Gemeinschaft fühlst du dich zugehörig?“
Zusätzlich sollte erklärt werden, weshalb diese Angabe benötigt wird und wie sie verwendet wird. Für allgemeine Model-, Werbe- oder Schauspieljobs ist eine solche Abfrage meist nicht erforderlich.
Was ist bei Kleidung und kulturellen Symbolen zu beachten?
Traditionelle Kleidung, Schmuck, Körperbemalungen, Frisuren oder religiöse Symbole können eine besondere Bedeutung besitzen. Sie sollten nicht ohne Einordnung als Dekoration oder Modeaccessoire eingesetzt werden.
Wenn eine Produktion kulturelle Elemente einer bestimmten Gemeinschaft zeigen möchte, empfiehlt es sich, frühzeitig Personen aus dieser Gemeinschaft einzubeziehen. Models sollten mitentscheiden können, ob die geplante Darstellung ihrer Identität und Kultur entspricht.
Das gilt auch für Bildbearbeitung, Texte, Styling und spätere Werbeaussagen. Eine respektvolle Besetzung allein reicht nicht aus, wenn das fertige Motiv anschließend mit Klischees arbeitet.
Sind indigene Models eine eigene Modelkategorie?
„Indigene Models“ sind keine fest definierte Modelkategorie wie Fashion-, Fitness- oder Commercial-Models. Indigene Menschen können in sämtlichen Bereichen der Modelbranche arbeiten – beispielsweise in Werbung, Beauty, Editorial, E-Commerce, Social Media oder auf dem Laufsteg.
Für eine Buchung zählen deshalb neben der gegebenenfalls relevanten kulturellen Zugehörigkeit die üblichen Kriterien: Ausstrahlung, Erfahrung, Kamerapräsenz, Verfügbarkeit und die Eignung für das jeweilige Konzept.
Indigene Identität sollte weder als Trend noch als werblicher Effekt behandelt werden. Glaubwürdige Vielfalt entsteht dann, wenn unterschiedliche Menschen respektvoll besetzt und selbstverständlich sichtbar gemacht werden.
→ Für eine individuelle und projektbezogene Besetzung finden Sie hier weitere Informationen zum Model Booking für Werbung, TV und Kampagnen.