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Modelrecht

FAQ - Fotomodell und Recht: der Fotomodellvertrag

  1. Was ist ein Fotomodellvertrag, Modelvertrag?
  2. Kann ich auch ohne Vertrag als Model arbeiten?
  3. Was muss in dem Modelvertrag geregelt sein?
  4. Was sollte möglichst nicht in einem Modelvertrag stehen?
  5. Was mache ich, wenn mir eine Regelung in dem Vertrag nicht gefällt?
  6. Was kann ich machen, wenn sich der Vertragspartner nicht an die Vereinbarungen hält?
  7. Sind Fotomodelle Freiberufler oder Gewerbetreibende?
  8. Muss ich als Model Steuern zahlen?
  9. Wer zahlt die Sozialversicherungsbeiträge?
  10. Darf ich auch minderjährig als Model arbeiten?
  11. Wer haftet, wenn ich mich bei einem Termin verspäte?
  12. Wer hilft mir, wenn es Probleme gibt?

FAQ - Fotomodell und Recht / Fotomodellvertrag

  1. Was ist ein Fotomodellvertrag?

    In einem Fotomodellvertrag werden die Rechte und Pflichten im Rahmen eines Fotoshootings zwischen dem Fotomodell und dem Fotografen geregelt.

    Der Vertrag soll beiden Vertragspartnern deutlich machen, wann, wo und wie die Fotos gemacht werden, welches Honorar und welche Nebenkosten gezahlt werden und welche Rechte der Fotograf oder auch das Model an den Fotos erhält und welche nicht.

    Der Fotomodellvertrag kann als eine Form des Model-Vertrages verstanden werden. Der Fotomodellvertrag ist aber die genauere Bezeichnung, wenn es darum geht Fotos für eine Veröffentlichung herzustellen. Bei einem Model-Vertrag hingegen könnten auch Mannequintätigkeiten (Laufsteg) oder das Modellstehen für andere künstlerische Gestaltungsformen (z.B. Malerei) vereinbart werden.

    Der Fotomodellvertrag könnte auch noch von weiteren diversen Vertragsarten abgegrenzt werden, die jeweils eigene Besonderheiten aufweisen, so z.B. ein Agenturvertrag, Bildagenturvertrag, der Arbeitsvertrag oder ein unentgeltlicher oder entgeltlicher Auftrag.

    [Bei der der Schreibweise für „Model“ wurde die hierfür typischerweise verwendete englische Form gewählt, im Gegensatz zu der für „Fotomodelle“ üblichen deutschen Schreibweise.]
  2. Kann ich auch ohne Fotomodellvertrag als Model arbeiten?

    Nein, aber hier wird oft das Wort Vertrag falsch verstanden. In der Umgangssprache wird unter einem Vertrag meist ein schriftlicher Vertrag verstanden, den man in der Hand halten, unterschreiben und zerreißen kann.

    Im juristischen Sinne ist aber grundsätzlich schon die mündliche Vereinbarung ein wirksamer Vertrag. Selbst dann, wenn überhaupt nicht von einer Vereinbarung oder einem Vertrag gesprochen wird, sondern Fotograf und Modell sich treffen, um Fotos zu machen, kann darin eine vertragliche Vereinbarung gesehen werden (so genanntes konkludentes oder schlüssiges Handeln).

    Etwas anderes ist die reine Gefälligkeit, wenn Sie also auf der Straße gebeten werden, ein Foto von einer Touristengruppe zu machen oder wenn Sie ein Bekannter bittet, dass Sie kurz mal in die Kamera lächeln, damit die Technik ausprobiert werden kann. Dann arbeiten Sie aber auch nicht als Fotomodell, sondern tun dies nur als reine Gefälligkeit.

    Wenn sich aber ein Fotomodell und ein Fotograf verabreden, um Fotos zu einem bestimmten Zweck zu machen, dann kann man in der Regel davon ausgehen, dass hier ein Vertrag mit Rechten und Pflichten entstanden ist.

    Um eben diese jeweiligen Rechte und Pflichten festzulegen und auch nachweisbar in der Hand zu haben, muss dringend empfohlen werden, diese Vereinbarungen in einem schriftlichen Vertrag festzuhalten.

    Ohne schriftlichen Vertrag sollte sich ein professionelles Fotomodell nicht ablichten lassen. Andernfalls kann es passieren, dass sie ihr Gesicht irgendwann einmal auf einem Wahlplakat, einer Erotikwebseite, einer Fotolovestory, einer Singlebörse oder in einer Sexhotlineanzeige wiederfindet und dann geklärt werden muss, was damals - zur Zeit der Fotoherstellung - tatsächlich vereinbart war.

    Dieser Rat gilt vor allem auch für Fotografen, da diese in einem Streitfall in der Regel nachweisen müssen, dass sie die Fotos veröffentlichen durften.

  3. Was muss in dem Fotomodellvertrag geregelt sein?

    Zunächst müssen die Angaben enthalten sein, die jeder Vertrag enthält:

    • Vertragspartner

      Wer sind die Vertragspartner? Hier sollten Sie prüfen, ob Name und Adresse stimmen. Vorsicht bei Phantasiebezeichnungen oder Künstlernamen. Eine Firma „Super-Modell- Foto-Art“ ohne Angabe eines Inhabernamens (Inhaber: Peter Paul Mustermann) oder eine GmbH oder Aktiengesellschaft ohne HR-Nummer (Handelsregistereintrag) ist eher unseriös. Kritisch sollte man auch bei ausländischen Unternehmensformen sein (Ltd, S.L. usw.), wenn diese ausschließlich in Deutschland tätig sind. Prüfen Sie die Angaben vor der Vertragsunterzeichnung und wenn sie Zweifel an der Seriosität des Vertragspartners haben: Finger weg!

      Insbesondere aus Fotografensicht ist hier die echte Namens- und Adressangabe des Fotomodells wichtig, um damit im Streitfall das Verwertungs- und Veröffentlichungsrecht nachweisen zu können (s.a. Verwertungsrechte).

    • Vertragsgegenstand

      Dann muss der Vertragsgegenstand geregelt sein, also Angaben zur Art der Aufnahme (Mode, Akt, Werbung, ...), Ort der Aufnahmen (Studio, Outdoor), Termin der Aufnahmen (Datum, ggf. Uhrzeit).

    • Vergütung

      Bei der Vergütung ist darauf zu achten, dass neben der Vergütungshöhe selbstverständlich auch die Währung (EUR, USD usw.) benannt ist und - weniger trivial - auch geregelt ist, ob in dem Betrag bereits die Umsatzsteuer enthalten ist oder nicht.

      Wenn Sie das Modeln hauptberuflich betreiben, haben Sie i.d.R. ein Gewerbe (Ausnahmen sind möglich: Siehe dazu unten: „Freiberufler oder Gewerbetreibende“) angemeldet und bei dem Finanzamt geklärt, ob Sie Umsatzsteuer auf Ihren Rechnungen ausweisen müssen oder nicht. Auch nebenberufliche Fotomodelle betreiben in der Regel ein Gewerbe, wobei die Einnahmen auch den steuerrechtlichen Bedingungen unterliegen. Eine Grauzone betrifft die Fotomodelle, die nur unregelmäßig oder hobbymäßig „arbeiten“. Hier hilft die einfache Regel: Wenn Geld fließt, ist das Finanzamt zu informieren. Dort wird entschieden, welche steuerrechtlichen Regelungen Anwendung finden. Hier sollte man sich aber von einem Steuerberater vorher beraten lassen, um Überraschungen zu vermeiden.

      Im Rahmen der Vergütungsvereinbarung ist auch die Fälligkeit (wann wird gezahlt? z.B.: „30 Tage nach Rechnungsstellung) zu regeln.

      • Exkurs: Nebentätigkeit / Modell / Gewerbe / Steuern
        Gerade bei unregelmäßiger nebenberuflicher Tätigkeit wird häufig die Frage gestellt, ob auch diese Tätigkeit als Gewerbe anzumelden und/oder zu versteuern ist.

        Hier gilt, dass ein Gewerbe dann anzumelden ist, wenn die selbständige Tätigkeit mit Gewinnerzielungsabsicht, auf Dauer ausgeübt werden soll. Im Zweifel liegt Dauerhaftigkeit vor, wenn jemand regelmäßig und nachhaltig gegen Entgelt tätig wird, also eine ständige Erwerbsquelle aus der Tätigkeit macht. Bei Zweifeln darüber, ob diese Voraussetzungen vorliegen, sollte man sich einfach Rat bei dem zuständigen Ordnungs-, Gewerbeamt einholen.

        Die Gebühren der Gewerbeanmeldung betragen, regional unterschiedlich, ca. 15 bis 50 EUR.

        Auch Minderjährige können mit Genehmigung der Eltern und des Vormundschaftsgerichts ein Gewerbe anmelden.

        Bei Schülern und Studenten sollte berücksichtigt werden, dass diese mit ihrem Gewinn und den sonstigen Einkünften unter den Grenzen für das BAföG und dem Kindergeld bleiben, da beides sonst gemindert werden könnte.

        Zu beachten ist auch, dass dann, wenn das Gewerbe nicht mehr betrieben oder unterbrochen werden soll, das Gewerbe abgemeldet wird oder zumindest dem Finanzamt mitgeteilt wird, dass das Gewerbe ruht.

        Wer ein Gewerbe betreibt, unterliegt grundsätzlich auch der Einkommens-, Umsatzund Gewerbesteuerpflicht. Hier gibt es aber wiederum Freibeträge, die bei Nebentätigkeit wohl eher selten überschritten werden (siehe dazu: Muss ich als Model Steuern zahlen).

    • Verwertungsrechte

      Wesentlicher Kern eines Fotomodellvertrags ist die Vereinbarung über die Verwertungsrechte an den Ergebnissen des Fotoshootings.

      Die Veröffentlichung von Personenfotos ist grundsätzlich nur mit Einwilligung des Abgebildeten zulässig (Ausnahmen davon sind insbesondere bei Personen der Zeitgeschichte, z.B. dem Bundeskanzler oder bei bereits verstorbenen Personen möglich). Eine solche Einwilligung kann schriftlich, mündlich oder stillschweigend (konkludent) erfolgen. Ein Beispiel für eine stillschweigende Einwilligung könnte vorliegen, wenn sich jemand bewusst vor eine laufende Kamera stellt, um in die Aufnahme zu kommen, gerade weil man veröffentlicht werden möchte.

      Die Vereinbarung eines Honorars spricht in der Regel dafür, dass das Model auch der Verwertung der Fotos eingewilligt hat.

      Keine stillschweigende Einwilligung läge aber vor, wenn Sie als Mannequin auf einer Modenschau arbeiten und die Aufnahmen für den Pressebericht dann in einem Modekatalog erscheinen. Das wäre eine werbliche Verwertung, für die eine ausdrückliche Einwilligung vorliegen muss (vgl. „Foto- und Bildrecht“, Wanckel/Nitschke, Randnr. 142, Verlag C.H. Beck, München 2004).

      Die Einwilligung zur Bildveröffentlichung sollte deshalb immer schriftlich und ausdrücklich sein. Dabei sollte auch die jeweilige Verwendungsform benannt werden. Hier sollte weder der Fotograf noch das Model zu allgemeine Formulierungen akzeptieren. Es sollte das aufgeführt sein, was wirklich beabsichtigt ist: Deutlich sollte zwischen Werbung/Merchandising und der Veröffentlichung mit erotisch sexuellem Bezug unterschieden werden. Zu berücksichtigen ist auch, dass mit erotischen Fotos keine Pornografie gemeint ist.

      Weitere Einschränkungen der Einwilligung wären denkbar in Hinblick der zeitlichen Einwilligung zur Verwertung (zeitlich unbegrenzt oder für die Dauer von 5 Jahren) oder in räumlich-örtlicher Hinsicht (in Deutschland, Europa, weltweit) oder unter Bezugnahme auf ein bestimmtes Projekt (Modekatalog, Sommer 2006, Fa. XYZGmbH oder Mode-Kalender 2006 usw.).

      Fotografen sind in der Regel bemüht möglichst umfassende Verwertungsrechte zu erhalten, weil bei der Herstellung oft noch nicht abschließend geklärt ist, für welche Zwecke die Fotos künftig genutzt werden sollen. Als Fotomodell können Sie hingegen das Argument benutzen, dass dann auch das Honorar abhängig sein soll, von den späteren möglichen Nutzungsarten (Stichwort: Lizenzrechte, Royalities). Hier spielt aber das individuelle Verhandlungsgeschick und natürlich die jeweiligen Interessen der Beteiligten eine große Rolle. Ein Amateurfotograf würde kaum die Gelegenheit verstreichen lassen, ein Supermodel zu fotografieren, nur weil diese keiner allumfassenden Verwertung zustimmt und umgekehrt würde ein Amateurmodel selten auf ein Profi-Shooting verzichten, nur weil man ihr nicht 500 EUR pro Einzelveröffentlichung garantiert.

    • Allgemeine Vertragsklauseln

      Am Ende eines Vertrages oder Allgemeiner Geschäftsbedingungen finden sich allgemeine Vertragsklauseln zu dem anwendbaren Recht (das Recht der Bundesrepublik Deutschland), ggf. Schriftformklauseln, Gerichtsstand (wo darf geklagt und verklagt werden) und die so genannten Salvatorischen Klauseln (was gilt, wenn ein wichtiger Vertragsbestandteil vergessen wurde oder unwirksam ist).

      Auch dieses Kleingedruckte sollte durchgelesen werden, um spätere Überraschungen zu vermeiden. Wenn hier etwas steht, was ungewöhnlich ist, lohnt es sich meist nachzufragen und skeptisch zu werden. Einen Gerichtsstand „British Virgin Islands" o. Ä. wählt nur jemand, der damit etwas Bestimmtes beabsichtigt. Gerichtsstandsvereinbarungen sind auch meist unwirksam, wenn ein Kaufmann nicht beteiligt ist. In einem Streitfall sollte man sich von solchen vermeintlich ungünstigen Regelungen aber nicht abschrecken lassen, denn in den meisten Fällen sind besonders ungünstige Regelungen unwirksam. Grund dafür ist, dass es sich meist um so genannte Formularverträge handelt, auf die die sehr strengen Regelungen für Allgemeine Geschäftsbedingungen nach deutschem Recht anwendbar sind. Merken Sie sich, dass nicht alles was in einem Vertrag steht, auch vor Gericht wirksam ist.

    • Vertragsunterzeichnung

      So simpel und doch häufig unvollständig: Ein wirksamer Vertrag muss i.d.R. von beiden Parteien unterzeichnet sein, handschriftlich und lesbar. Das Datum und der Ort der Vertragsunterzeichnung sollten genannt sein.

  4. Was sollte möglichst nicht in einem Fotomodellvertrag stehen?

    Lesen Sie nochmals den Punkt Verwertungsrechte. Unterzeichnen Sie nur die Verträge, die Sie vorher durchgelesen und verstanden haben. Vermeiden Sie allgemeine Formulierungen. Wenn Sie als Fotograf Fotos mit erotisch sexuellen Bezug veröffentlichen möchten, nehmen Sie diesen Punkt ausdrücklich mit auf, andernfalls sind die Probleme schon vorprogrammiert.

    Als Fotomodell achten Sie auf diesen Punkt und berücksichtigen Sie dabei, ob Sie diese Fotos später, wenn Sie Familie haben, Sie eine klassische Opernsängerin sind oder Sie Ihr Studium als Bankbetriebswirtin abgeschlossen haben, immer noch veröffentlicht sehen möchten. Vereinbaren Sie ggf. insoweit ein Widerrufsrecht (Rückkaufrecht) einschließlich einer Regelung über dessen „Preis“.

  5. Was mache ich, wenn mir eine Regelung in dem Fotomodellvertrag nicht gefällt?

    Dann fragen Sie nach! Achten Sie darauf, wie Ihr Vertragspartner auf Ihr Nachfragen reagiert. Weiß er selbst nicht, warum er eine bestimmte Regelung in dem Vertrag haben will, dann lassen Sie die Textstelle streichen. Denken Sie daran, dass Sie als Fotomodell das Recht haben zu verhandeln und nachzufragen.

    Das Argument, „so eine Chance bekommst Du nie wieder“ oder noch extremer „entweder jetzt oder nie“, sollte sehr zu denken geben. Überrumpelung und „Erpressung“ sind keine gute Vertragsgrundlage. Wenn erhebliche Unsicherheiten bleiben, unterschreiben Sie nicht, sondern verlangen Sie Bedenkzeit und informieren Sie sich vor der Vertragsunterzeichnung. Wenn Sie erst am Tag der Aufnahme einen Vertrag unterzeichnen sollen, seien Sie doppelt vorsichtig. Im Eifer des Geschehens werden lange Vertragstexte schnell überlesen oder auch gar nicht gelesen. Das wäre fatal. Vertrauen zwischen Vertragspartnern ist eine wichtige Sache, aber leichtfertig Vertrauen zu verschenken ist dumm und unprofessionell.

  6. Was kann ich machen, wenn sich der Vertragspartner nicht an die Regelungen in dem Fotomodellvertrag hält?

    Wenn es um Geld geht, gilt die Grundregel: Darauf hinweisen, dass noch kein Geld eingegangen ist und ggf. Nachfragen, warum noch nicht gezahlt worden ist (Erinnerung), Frist setzen und Folgen ankündigen (Mahnung). Auch wenn eine Mahnung nicht immer erforderlich ist, um den Gegner in Verzug zu setzen, lohnt es sich meist diesen Schritt zwischen zu schalten. Wenn auch das nicht hilft: Rechtsanwalt einschalten. Wenn es um Fotorechte geht: Besser gleich zum qualifizierten Rechtsanwalt, denn hier muss schnell und konsequent gehandelt werden.

  7. Sind Fotomodelle Freiberufler oder Gewerbetreibende?

    Fotomodelle, die nicht rein künstlerisch tätig sind und auch nicht fest angestellt arbeiten, gelten als Gewerbetreibende oder so genannte Kleingewerbetreibende und müssen grundsätzlich die Tätigkeit als Gewerbe bei dem zuständigen Ordnungsamt anmelden. Sie zählen grundsätzlich nicht zu den Freiberuflern wie beispielsweise Ärzte, Architekten und Rechtsanwälte. Auch Fotografen und Filmemacher sind regelmäßig Gewerbetreibende, soweit sie nicht rein künstlerisch oder bildberichterstattend tätig sind.

    Aber diesbezüglich gibt es erhebliche regionale Unterschiede bezüglich der Beurteilung der Tätigkeit als Fotomodell. Teilweise wird die Tätigkeit von Fotomodellen als künstlerische Tätigkeit eingestuft, so dass kein Gewerbe anzumelden wäre. Hierbei kommt es stets auf den Einzelfall an. Wer als Fotomodell im Bereich Werbung und Promotion arbeitet, wird es schwer haben, dies noch als rein künstlerische Tätigkeit darzustellen. Sie müssen sich deshalb bei Ihrem zuständigen Gewerbeamt und Finanzamt informieren, ob Ihre Tätigkeit als Gewerbe anzumelden ist. Diese Auskunft sollten Sie sich schriftlich geben lassen!

    Der Begriff Freiberufler darf aber nicht mit dem Begriff „freier Mitarbeiter“ verwechselt werden. Freiberufler oder Gewerbetreibender zu sein ist vor allem eine steuerrechtliche Frage. Aber ob jemand fester oder freier Mitarbeiter ist, betrifft hingegen arbeits- und sozialrechtliche Fragen:
    Also z.B. die Frage ob und wie gekündigt werden darf und wer die Sozialversicherungsabgaben zahlt. Insoweit können Fotomodelle fest angestellt sein oder als freier Mitarbeiter beauftragt werden.

  8. Muss ich als Model Steuern zahlen?

    Wer als Model mehr als 8.004 EUR im Jahr verdient, hat dieses Einkommen grundsätzlich zu versteuern (§ 32 a EStG, Stand: 2010). Dabei ist es egal, ob es sich um ein Einkommen aus nebenberuflicher oder hauptberuflicher Tätigkeit handelt. Es werden grundsätzlich die Gesamteinkünfte versteuert.

    Umsatzsteuer muss i.d.R. erst gezahlt werden, wenn die Freibetragsgrenzen überschritten werden (s.u.). Gewerbesteuer fällt darüber hinaus an, bei Gewerbeerträgen ab 24.500 EUR (Stand: Juli 2011).

    • Der Freibetrag für Gewerbesteuer bei sog. natürlichen Personen beträgt derzeit 24.500 EUR Gewerbeertrag im Jahr. Wer weniger Gewerbeertrag hat, zahlt demnach keine Gewerbesteuer. Wer mehr Gewerbeertrag im Jahr hat, zahlt die Gewerbesteuer, die von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich ist. Für Gewerbeerträge bis 72.500 EUR werden ermäßigte Gewerbesteuern bezahlt. Bei einem Gewerbeertrag von 100.500 EUR im Jahr käme etwa eine Gewerbesteuer zwischen ca. 5.200 EUR (Kleinstadt) und ca. 12.700 EUR (Großstadt) in Betracht. Kleinstädte haben üblicherweise einen geringeren Gewerbesteuerhebesatz als Großstädte wie beispielsweise München und Stuttgart. Dieser Gewerbesteuerbetrag muss aber nicht tatsächlich anfallen, weil es auch Einkommenssteuer-Ermäßigungen für Gewerbesteuer gibt, die die faktische Gewerbesteuer reduzieren können.

    • Freibetrag für Umsatzsteuer: Kleinunternehmer, die im Vorjahr weniger als 17.500 EUR und im laufenden Jahr voraussichtlich weniger als 50.000 EUR Umsatz haben, können von der Umsatzsteuer befreit werden (§ 19 Abs. 1 UStG, Besteuerung der Kleinunternehmer, Stand Juli 2011). Sie müssen dann keine Umsatzsteuererklärung abgeben, dürfen Ihren Kunden aber auch keine Umsatzsteuer berechnen und können keine Vorsteuer geltend machen, um diese zu verrechnen. Kleingewerbetreibende müssen auch keine doppelte Buchführung betreiben oder bilanzieren. Ein Kleingewerbe betreibt i.d.R., wer weniger als 500.000 EUR Jahresumsatz oder weniger als 50.000 EUR Jahresgewinn hat und auch nicht als Kaufmann im Handelsregister eingetragen ist (§ 141 AO, Stand: Juli 2011). Dann reicht eine einfache Einnahme- Ausgaben-Rechnung aus.

    • Der Grundfreibetrag für die Einkommenssteuer liegt bei 8.004 o EUR (getrennte Veranlagung, also Einzelperson, § 32 a EStG), dabei werden aber alle Einkünfte eines Steuerpflichtigen berücksichtigt.

    • [Sämtliche Angaben ohne Gewähr. Verbindliche Antworten gibt Ihnen Ihr Steuerberater]

  9. Wer zahlt die Sozialversicherungsbeiträge?

    Wenn Sie nicht in einem festen Anstellungsvertrag arbeiten, sind Sie i.d.R. als Selbstständige/r tätig und müssen auch selbst für die Sozialversicherungsbeiträge aufkommen. Als Selbständige/r zahlen Sie anders als der Angestellte die vollen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge und müssen sich auch selbst rentenversichern.

  10. Dürfen auch Minderjährige oder Kinder als Model arbeiten?

    Ja, auch Minderjährige dürfen als Model arbeiten, allerdings unter strengen Auflagen und nur mit Einverständnis der Eltern. Dabei unterscheidet das Gesetz bei Minderjährigen unter anderem zwischen Kindern, Kindern im Alter von 14 Jahren und Jugendlichen. Kinder dürfen grundsätzlich nur mit besonderer Bewilligung der Aufsichtsbehörden beschäftigt werden und dann auch nur mit noch strengeren Auflagen. Weniger streng sind die Regelungen für Kinder im Alter von 14 Jahren und Jugendlichen (ab 15 Jahren).

    Das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG), nicht zu verwechseln mit dem Jugendschutzgesetz (JSchG), regelt die Beschäftigung von Kindern (wer noch nicht 15 Jahre alt ist) und Jugendlichen (wer 15, aber noch nicht 18 Jahre alt ist und nicht mehr der Vollzeitschulpflicht unterliegt). Die Beschäftigung von Kindern ist nach § 5 JArbSch grundsätzlich verboten. Ausnahmen sind möglich, so z.B. im Rahmen eines Betriebspraktikums.

    Kinder über 13 Jahre dürfen mit Einwilligung ihrer Eltern leichte und für Kinder geeignete Tätigkeiten ausüben (nicht mehr als zwei Stunden täglich, nicht nach 18:00 Uhr, nicht vor 08:00 Uhr, nicht vor dem Schulunterricht und nicht während des Schulunterrichts).

    Die Aufsichtsbehörden können weitere Ausnahmen bewilligen, z.B. für Theatervorstellungen, Musikaufführungen und auch für Film- und Fotoaufnahmen. Aber auch mit behördlicher Genehmigung dürfen beispielsweise Kinder über drei bis sechs Jahre nur bis zu zwei Stunden täglich in der Zeit von 8 bis 17 Uhr beschäftigt werden. Kinder über sechs Jahre bis zu drei Stunden täglich in der Zeit von 8 bis 22 Uhr. Im Film werden deshalb auch Zwillinge eingesetzt, um die Drehzeiten ausdehnen zu können.

    Der Arbeitgeber darf das Kind erst nach Empfang des Bewilligungsbescheids der Behörde beschäftigen.

    Verstöße gegen das JArbSchG können als Ordnungswidrigkeit mit Geldbuße bis zu 15.000 EUR oder als Straftat mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe geahndet werden.

    Für ein einmaliges Fotoshooting sollten vor allem die im Gesetz genannten jeweiligen Tageszeiten berücksichtigt werden. Wichtig ist, dass bei mehreren Arbeitgebern, die Arbeitszeiten zusammengerechnet werden. Als Fotograf sollte man ggf. von den Eltern einen Nachweis über die bisherigen Tätigkeiten des Kindes oder Jugendlichen einfordern. Um in den Anwendungsbereich des Gesetzes zu fallen, muss man nicht als Arbeitgeber im eigentlichen Sinne gelten, es genügt, wenn das Kind oder der Jugendliche für „sonstige Dienstleistungen beschäftigt werden, die der Arbeitsleistung von Arbeitnehmern ähnlich sind“.

    Geringfügige Hilfeleistungen, soweit sie gelegentlich aus Gefälligkeit erbracht werden, fallen nicht unter das JArbSchG (vgl. § 1 Absatz 2 JArbSchG).

  11. Wer haftet, wenn ich mich bei einem Termin verspäte?

    Wenn ein fester Termin (Tag, Uhrzeit) und Ort vereinbart ist, haftet grundsätzlich derjenige, der die Verspätung zu verschulden hat. Bei Außenaufnahmen außerhalb eines Studios sollte man einen festen und leicht auffindbaren Treffpunkt vereinbaren. Der Schadensersatz kann aber kaum höher als das vereinbarte Ausfallhonorar sein. Eine Kulanzzeit kann darüber hinaus vereinbart werden. Pünktlichkeit von Model und Fotograf sind Qualitätsmerkmale, die beide zu beachten haben. Je weiter die Anreise ist, um so mehr Pufferzeit sollte eingeplant werden.

  12. Wer hilft mir, wenn es Probleme gibt?

    Bei allgemeinen Fragen können Sie sich die ersten Informationen bei Kollegen, Ihrer Agentur oder den Industrie- und Handelskammern holen. Einen Überblick geben auch entsprechende Fachbücher und informative Webseiten. Bei bestimmten Einzelfragen wenden Sie sich an den jeweiligen Fachmann, also i.d.R. ein Steuerberater (Steuerfragen) oder einen Rechtsanwalt (Rechtsfragen).

    Beherzigen Sie den Grundsatz: Erst beraten lassen und dann unterschreiben.

    Selbst Heidi Klum hat dank des Hinweises ihres Vater, sich rechtlich beraten zu lassen, bei ihrem ersten Vertrag nach dem Sieg im dem Wettbewerb „MODEL’92“ verhindern können, dass die Siegprämie, ein „Drei-Jahres-Vertrag über 300.000 USD“, nicht daran geknüpft wurde, dass sie auch erfolgreich vermittelt wird, sondern unabhängig davon gezahlt wird (Heidi Klum, „Natürlich erfolgreich“, S. 18 f., erschienen im Krüger Verlag, Unternehmen der S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2005).

Sämtliche Angaben sind sorgfältig geprüft worden. Eine Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit kann aber nicht gewährt werden. Wenden Sie sich im Zweifelsfall an einen qualifizierten Rechtsanwalt Ihrer Wahl. Die Vervielfältigung und Veröffentlichung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors gestattet.

Rechtsanwalt Maik Graße, Hannover, August 2011
Ihr Anwalt für Arbeitsrechte

Wir würden uns über Ihre Erfahrungen mit Fotomodellverträgen usw. freuen:
Arbeitsrechte/forum/Model & Recht


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